Die Höllentalbachkatastrophe von 1986 und das Bonifizierungskonsortium Gmund Salurn

Am Abend des 23. Juni 1986 lösten die heftigen Regenfälle am Oberlauf des Höllentalbaches Geröll und Schlammassen vom Berghang. Die etwa 500.000 Kubikmeter Material stürzten in das Bett des Höllentalbaches und bildeten ein Staubecken. Dieses Becken hielt den ungeheuren Wassermassen, die sich während des Wolkenbruchs im Bachbett zu sammeln begannen, nicht lange stand. Schon einige Minuten, nachdem sich das Becken gebildet hatte, barst es unter dem ungeheuren Druck des Wassers.

Die zu Tal stürzenden Geröll-, Schlamm- und Wassermassen rissen drei Brücken nieder und begruben u.a. einen Teil der Traminer Kellereigenossenschaft.

Tramin im Sommer 1986. Der Höllentalbach hatte ein Bild der Verwüstung hinterlassen.

Aber nicht nur an Gebäuden, am Bachbett und an den Sporteinrichtungen war ein Millionenschaden entstanden. Etwa 23 Hektar Grund mit Obst- und Weinkulturen waren um und in der Nähe des Unterlaufes des Höllentalbaches unter den Schlammassen begraben. Zahlreiche Einsatzkräfte waren dabei im Einsatz, die Schäden zu beheben.

Auch das Bonifizierungskonsortium Gmund-Salurn, welches am Morgen nach der Katastrophe vor Ort war, nahm sich der Bonifizierung der Flächen an.

Am Tag nach dem Unglück begann das Konsortium mit seinen beiden Kamo-Baggern den Unterlauf des Baches zu regulieren. Hier hatte sich der Bach in Dutzende kleine Bäche aufgeteilt, die den ohnehin schon angerichteten Schaden noch verschlimmerten.

Auf den Kulturgründen lag meterhoch Geröll, Schotter, unfruchtbarer Schlamm und zum Teil Felsbrocken mit Durchmessern bis zu fünf Metern, die entfernt werden mußte.

Das Technische Amt des Bonifizierungskonsortiums hatte innerhalb kürzester Zeit ein Projekt dafür ausgearbeitet. Am 9. Juli konnte dies dem Landesausschuß zur Genehmigung vorgelegt werden. Es sah die Abtragung und den Abtransport des unfruchtbaren Gerölls vor.

Kopfzerbrechen bereiteten den Fachleuten vor allem die großen Felsbrocken und Holzstücke, die der Höllentalbach zu Tal gerissen hatte.

Sie mußten mit Spezialmaschinen aus dem in zwischen steinharten Schlamm gefräst werden. Auch die langsam absterbenden Obstbäume und Reben mußten ausgerissen und abtransportiert werden. Ein Teil des abtransportierten Materials konnte für die Befestigungs- und Sicherungsarbeiten an den Etschdämmen bei Auer und Pfatten benutzt werden. Ein weiterer Teil konnte auf einem nahe gelegenen Grund des Landes gelagert werden.

Der abgetragene Boden in dem von der Katastrophe übermurten Gebietes wurde mit fruchtbarer Erde ersetzt. Die übermurten Feldwege wurden geräumt und neu asphaltiert. Zusammen mit dem örtlichen Bauernbund hat das Bonifizierungskonsortium »Gmund-Salurn« ein Gesamtprojekt zur Meliorierung des vom Unglück betroffenen Grundes ausgearbeitet und über dieses um Landesbeiträge für die 583 betroffenen Bauern angesucht.

Mit der Wiederherstellung des Grundes und der Einrichtung eines Auffangbeckens für eine sich eventuell wiederholende Katastrophe mußte ein Teil des Grundes enteignet und auf einer Fläche von rund 5 Hektar eine Flurbereinigung vorgenommen werden.

Die Flurbereinigung wurde dann auch vom Bonifizierungskonsortium geplant und durchgeführt.

In Zusammenarbeit mit dem Beratungsring für Obst- und Weinbau wurde auch die Beregnungsanlage für diese Gründe neu geplant und gebaut. Sechs neue Tiefbrunnen wurden dafür geschlagen.

Aber nicht nur um die von dem Unglück betroffenen Grundstücke mußte sich das Bonifizierungskonsortium kümmern, sondern auch um die eigenen Infrastrukturen, die bei der Katastrophe zu Schaden gekommen waren. Der Feldgraben, der das Überwasser der Traminer Möser in der Talsohle entwässert, war vermurt und mußte geräumt und wiederhergestellt werden.

Bis 1986 mündete der Höllentalbach in den Feldgraben, der dann weiter südlich in den großen Kalterer Graben mündet. Da der Höllentalbach natürlich auch nach der Katastrophe Wasser führte und der Feldgraben nicht sofort geräumt werden konnte, entschloß sich das Bonifizierungskonsortium, den Höllentalbach von nun an, direkt in den Großen Kalterer Graben einzuleiten. Mit der finanziellen Unterstützung des Landes konnte dies dann auch verwirklicht werden.

Die Einleitung des Höllentalbaches in den Großen Kalterer Graben hatte für die Besitzer in den Traminer Mösern aber noch eine angenehme Begleiterscheinung. Durch das Einleiten des Höllentalbaches in den Feldgraben war dieser immer wieder über die Ufer getreten und hatte die Felder in seiner Umgebung unter Wasser gesetzt. Mit der Umleitung in den Großen Kalterer Graben sollte dies in den folgenden Jahren nicht mehr vorkommen.

Juni 2026